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Ste

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Freitag, 18. März 2011, 11:52

Schallplatten

1. Wie pflege ich mein schwarzes Gold am besten?

Schallplatten sollten nur mit sauber eingebautem und genau justiertem und nicht „abgenudelten“ Tonabnehmern gespielt werden. Schallplatten bestehen aus Vinyl und sind daher kratzempfindlich. Sofern
sie aber beim Entnehmen aus und beim Wiederhineinstecken in die Papierhülle nur mit den Fingerspitzen am Rand bzw. im Bereich des Labels angefasst werden und die Papierhülle stets sauber gehalten wird, kann ihnen eigentlich nichts passieren. Trotzdem sammelt sich mit der Zeit etwas Schmutz und Staub auf der Platte und in der Hülle, und dem sollte Rechnung getragen werden.
Als oberste Maxime sollte hierbei gelten: Tücher haben auf trockenen Schallplatten nichts zu suchen! Auch die einst propagierte „Versiegelung“ der Schallplattenoberfläche mit speziellen Mittelchen oder das Nassabspielen mit dem berühmten Lencoclean ist out (Es gibt aber noch Leute, die darauf schwören).
Oberflächlichen Staub entfernt man mit einer geeigneten weichen Karbonbürste, nachdem man die Platte auf den Teller gelegt hat. Diese Maßnahme verhindert auch eine Staubansammlung an der Nadel des
Tonabnehmers, was dem Klang nur zuträglich sein kann. Stärker verschmutzte Schallplatten (und zur Sicherheit auch solche, die secondhand auf Flohmärkten oder Börsen gekauft wurden) reinigt man nass,
d.h. mit einer speziellen Mikrofasertuch-Technik oder einer Schallplatten-Waschmaschine mit Absaugung.


2. Wie lagert man Schallplatten?

Stehend. Trocken. Sauber. Druck vermeiden. Einschweißfolie kann im Laufe der Zeit schrumpfen und die Platte dadurch verwellen, also besser die Folie entfernen. Einfache Papier-Innenhüllen durch gefütterte,
antistatische Innenhüllen ersetzen. Ggf. in durchsichtigen Kunststoff-Schutzhüllen zum Schutz des Covers.


3. Kriege ich verwellte Platten wieder plan?

Eventuell schon. Dafür gibt es den „Air tight disc flatter“, das ist eine Bügelmaschine, die verwellte Schallplatten wieder plan bügeln kann. Es gibt einige Händler, die diesen Service anbieten. Einfach mal im Netz suchen.
Es haben angeblich auch schon Leute erfolgreich „gepresst“, also die Schallplatte zwischen zwei Glasplatten im Backofen (!) erwärmt und anschließend sehr langsam abkühlen lassen.
Kurzzeitig zum Abspielen der Platte - da gibt’s mehrere Methoden, die bei leichteren Verwellungen (=Höhenschlägen) durchaus gute Erfolge bringen.
a) Plattengewicht in Verbindung mir konkavem Teller. Der Plattenspieler muss allerdings dafür konstruiert sein, ein Subchassis-Thorens oder ein LP12 kann mit einem 500g-Gewicht nicht betrieben werden.
b) Plattenklemme, z.B. die Michell Record Clamp. Leicht und somit auch auf Subchassis-Laufwerken einzusetzen.
c) Stahlring zum Beschweren des LP-Außenrandes. Teuer in der Herstellung, passt nicht auf jeden Teller, wegen seines Gewichtes nichts für Subchassis-Laufwerke. Ansonsten sehr effektiv.
d) Ansaugung durch Unterdruck. Bei bestimmten Plattenspielern eingebaut (Luxman, Micro Seiki - beide mittlerweile nicht mehr auf dem Markt). Oder als Zubehör von Räke/Transrotor (Vacuum Disc Stabilizer - nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu haben).


4. Sollte ich meine Platten nass abspielen, um sie und den Abtastdiamanten zu schonen?

In den Siebziger- und Achtziger-Jahren war das Nass-Abspielen (Stichwort LencoClean), ebenso wie ein Trend zu immer leichteren Tonarmen und immer niedrigeren Auflagedrücken, stark in Mode. Durchgesetzt hat es sich jedoch nie. Die Idee dabei ist, mittels eines zweiten Armes (der an seinem Ende einen Tank aufweist und mit einem weichen Kissen auf der Platte aufliegt) während des Abspielvorgangs eine Flüssigkeit auf die Schallplatte fließen zu lassen. Dadurch wird die Reibung der Abtastnadel verringert, lose Staubpartikel werden aufgeschwemmt und statische Aufladung, welche sich durch Knistern bemerkbar machen könnte, wird verhindert. Nachteilig wirkt sich die Tatsache aus, dass die Flüssigkeit auf der
Platte antrocknet und schon nach dem ersten Mal beim nächsten trockenen Abspielen der Platte zu starken Knistergeräuschen führt. Eine häufig nass abgespielte Schallplatte kann praktisch nicht mehr zufriedenstellend trocken „gefahren“ werden, da die Ablagerungen der getrockneten Nassfahr-Flüssigkeit oftmals erst durch mehrfaches Waschen mit professionellen Schallplattenwaschmaschinen entfernt werden können.
Außerdem sollte bei der Entscheidung „Nass oder Trocken“ auch die Überlegung Einzug halten, dass Tonabnehmer elektrische Systeme darstellen – und eigentlich passen Elektrik und Feuchtigkeit nicht
zusammen – und dass in den Systemen Materialen wie z. B. Eisen und Gummi verbaut sind, die auf Feuchtigkeit mit rosten bzw. verhärten reagieren könnten.


5. Sollte ich einen Plattenbesen mitlaufen lassen? Oder genügt eine Karbonbürste?

Ein Mitlaufbesen (oft eine tonarmähnliche Konstruktion mit Gegengewicht und einem Büschel aus Eichhörnchenhaaren, denen manchmal einige Karbonfasern beigemischt sind; im Idealfall läuft er genauso schnell von der Außen- zur Innenrille, wie es das Abtastsystem auch tut) soll zwei Effekte erzielen : er soll erstens losen Staub aufnehmen, bevor dieser sich an der Abtastnadel festsetzen kann, und er soll zweitens statische Aufladung von der Schallplatte ableiten – dazu besitzen manche Exemplare ein Erdungskabel, welches an die Erdungsklemme des Verstärkers angeschlossen wird.Als Nachteile wären eine durch die Auflagekraft des Besens verursachte Abweichung von der Sollgeschwindigkeit sowie bei mangelhafter oder gar fehlender Erdung auftretende statische Aufladung der Schallplatte zu nennen.Da eine gut gepflegte Schallplatte WÄHREND des Abspielvorgangs normalerweise keiner permanenten Reinigung bedarf und eventuelle statische Aufladung auch bei der sowieso stets empfehlenswerten Reinigung der Schallplatte mittels einer Karbonbürste (zweireihig, mit beweglichem Bügel zum Abstreifen des von der Platte aufgenommenen Staubes) VOR dem Abspielen abgeleitet wird, hat sich die Anwendung eines
Plattenbesens nicht durchgesetzt.

6. Brauche ich eine Schallplattenwaschmaschine ?

Niemand braucht eine Schallplattenwaschmaschine. Sie erleichtert nur die Reinigung erheblich, ist nicht selten auch dem Klang neugekaufter Schallplatten förderlich und bei Schallplatten, die gebraucht auf
Börsen oder gar Flohmärkten erstanden wurden, oftmals sogar dringend notwendig.
Eine einfache Waschhilfe ist die Knosti oder Disco-Antistat, bei der nach der Reinigung die nasse Schallplatte in einen Abtropfständer gestellt werden soll. Leider kann so eine Teilmenge der dreckigen Flüssigkeit wieder auf der Platte festtrocknen. Um das zu verhindern, sollte die gewaschene Platte, bevor sie in den Abtropfständer gestellt wird, mit einem Microfasertuch LEICHT abgewischt werden. Manche arbeiten mit 2 Knostis (Vor- und Hauptwäsche), erzielen ganz passable Ergebnisse damit und schwören auf selbstgemixte Reinigungsmittel. Letztendlich gilt die Knosti gemeinhin als Krücke, aber sie ist wohl besser als nichts und sehr preiswert.
Am besten ist eine Plattenwaschmaschine mit Absaugung (Flächen- oder Punktabsaugung). Generell gilt – je mehr Automatik und Komfort (Motor zum Drehen des Tellers, Pumpe zum Aufbringen der Reinigungsflüssigkeit, Rotationsbürste, leise Absaugung), desto teurer wird die Maschine (Preisspanne von ca. 400 bis weit über 2500 Euro).

Der vorliegende Text wurde ursprünglich von Holger entworfen. Überarbeitung durch joecaracho .
Alle Angaben ohne Gewähr.

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