Einflüsse auf unser Hören

      Einflüsse auf unser Hören

      Unsere Tagesform ändert sich ständig.

      So ist unser Ohr vormittags noch deutlich weniger gestresst, als abends, nach einem langen arbeitsreichen Tag.
      Die tägliche Geräuschkulisse, der wir ausgesetzt sind, lässt unser Ohr über den Tag ermüden. Wir sind auch weniger konzentriert.

      Nach üppigen Mahlzeiten hören wir deutlich schlechter als mit leerem Magen. Da das Blut sich im Verdauungsbereich sammelt
      und unser Gehör hat eine messbare, leichte Mangeldurchblutung.

      Auch der Alkohohl und das Nikotin beeinflusst unser Gehör gewaltig. Jeder Tonmeister weiß, dass er abends keinen Alkohol trinken sollte,
      wenn er am nächsten Tag eine wichtige Aufnahme oder Mischung zu machen hat. Und wenn wir nun div. Hörvergleiche anstellen, gehört
      das Bier in den Keller und der Wein hat im Regal zu bleiben. Mineralwasser ist angesagt und auch keine Cola.

      Kommt noch hinzu: wenn wir uns im gebückten Zustand angestrengt haben, ist das Hören für einige Minuten ebenfalls leicht verändert.

      Andere, oft außer acht gelassene Einflüsse, sind die Raumtemperatur, die Luftfeuchtigkeit und der Luftdruck. Hier möchte ich auch
      auf den Einfluss kleinster Lautstärkenunterschiede beim Vergleichshören verschiedener Komponenten hinweisen.
      Oft macht ein und dieselbe Musik, nur einen Tick lauter, einen anderen emotionalen Eindruck.

      Und nun kommen noch alle möglichen Emotionen, unser physisches Befinden und eine gute oder eine schlechte Laune hinzu.
      Sind wir gut drauf, sind wir schneller begeistert und umgekehrt. Wir sind in guter Stimmung auch eher bereit kleine Fehler zu verzeihen.

      Und nicht zuletzt nehmen Vorhersagen und Erwartungen Andrer, an die Musik, Einfluss auf unseren eigenen Musikgenuss.
      Die sicherlich allen bekannte, selbst erfüllende Prophezeiung ist auch nicht zu unterschätzen.

      All diese Faktoren gilt es ehrlich zu berücksichtigen, wenn wir über gut, besser oder schlechter diskutieren.
      Egal ob Audio-Kabel, Netz-Kabel, Sicherungen, Abtastsysteme oder Tonarme... ob wir über Einbrennen und andere Maßmahmen reden.

      Wir sollten aber das Allerwichtigste nie aus den Augen verlieren:

      DAS GENIESSEN UND DAS ERLEBEN VON GUTER MUSIK, DIE HINGABE ZUM KÜNSTLER UND DAS EINLASSEN AUF DIE STIMMUNGEN.

      Und vielleicht sollten wir auch einfach mal mit dem, was wir haben zufrieden sein, wenigstens für eine Weile.

      Love + Respect
      Rainer
      Hallo Rainer.

      Gut das Du den Blutdruck ansprichst!

      Bei mir reicht es schon völlig aus, wenn ich nach 15 Minuten aus dem Sessel aufstehe,
      um z.B. die Platte umzudrehen. Schon ist der Blutdruck höher und wirkt sich damit auf das Gehör aus.

      Das hat mich schon ein ums andere mal fast in den Wahnsinn getrieben, wenn ich einen Abtaster justiert hab.

      Ständiges hin und her bauen um Unterschiede bei was auch immer heraus zu hören, mach ich schon lange nicht mehr.
      Umbauen und dann lange laufen lassen. Damit komm ich am besten klar.
      Und natürlich immer nur eine Sache ändern.
      Dann kommt man zwangsläufig auch zum Musik hören.

      Gruß, Wolfgang
      Gruß, Wolfgang
      Lieber Rainer,

      wenn das heißen soll, dass ich vor dem Musikhören nichts mehr oder nur ganz wenig essen und trinken sollte, also mich asketisch verhalten, dann kannst Du den Tipp vergessen :thumbup: Man sollte bei den unzweifelhaft einflussreichen körperlichen Faktoren nicht übersehen, dass diese auch über die Psyche einwirken. Also ganz einfach: ich habe nichts gegessen, bin unzufrieden, finde also jegliche Anlage und Musik schlecht. eventuell wirkt sich das stärker aus als die rein physisch bessere Aufnahmefähigkeit eines Menschen mit nur halbvollem Magen? Wolfgang weiß wahrscheinlich, was ich meine.

      Es lebe die Fastenzeit, die heute in einer Woche beginnt :beer Da bin ich sowas von sensibel für Musikgenuss, aber das Magenknurren wirkt sich leider kontraproduktiv aus.

      LG Konrad (bekennender Genusslümmel)
      Lieber Rainer,

      die von Dir sehr richtig beschriebenen Variablen sind sehr richtig beschriebene konfundierende Variablen, die man als reifer Hörer sehr wohl im Hinterkopf behalten kann! Damit hast Du mit Sicherheit absolut recht. Wie oft habe ich meine Anlage abends ganz anders erlebt als morgens! Aber, genau das sollte man wissen!
      Von daher muss man auch eine Veränderung der Komponenten eine gewisse "Mindestzeit" hören. Ich bin der Meinung, dass man mindestens eine Woche hören sollte, bevor man ein eigenes Urteil fällt!

      Aber hier scheiden sich die Geister,

      viele Grüße

      Nikolaus-Maria

      Danke für die Anregungen

      Hallo Rainer,
      vieles was Du schreibst kann ich nur bestätigen..... Einmal ist mir ein ganz eigenartiger Klangunterschied aufgefallen, als ich ca. 5 Min unter der Anlage und im Kabelwald dahinter eine verlorene Schraube - mit vielen Verrenkungen - gesucht habe und dann plötzlich aufgestanden bin...
      Jemand den ich kenne der Hörprobleme hat sagt er hört am Morgen generell zufriedenstellend, aber gegen Abend oder nach grössern Anstrengungen jedoch wirklich nur sehr eingeschränkt. Inzwischen musst er sich leider operieren lassen.

      Einen Tipp hast Du mir aber gegeben - da ich in der Fastenzeit auf Alkohol verzichte werde ich diese Woche noch mal ein paar bekannte Scheiben reinziehen und dann nach 2 oder 3 Wochen die gleichen nochmals versuchen. (Natürlich unter gleichen genährten Umständen!)... Bin echt mal gespannt ob ich was feststellen kann.

      Und das ist für mich eine Schlüsselaussage:
      Zitat:
      "Und nicht zuletzt nehmen Vorhersagen und Erwartungen Andrer, an die Musik, Einfluss auf unseren eigenen Musikgenuss.

      Die sicherlich allen bekannte, selbst erfüllende Prophezeiung ist auch nicht zu unterschätzen."

      Wir wissen das wir was geändert, gekauft, gemacht haben und schon hören wir einen Unterschied!
      Ob ein wirklicher Unterschied da ist kann man (n) dann nur sehr unvollständig sagen......

      Am liebsten teste ich die Goldohren bei mir mit dem Resonator von Finite Elemente - den kann ich mitten in einem Musikstück (unsichtbar) auf den CD Player oder Dreher stellen und die Leute fragen, ob sie einen Unterschied hören... Die meisten täuschen sich wenn ich sie denn frage und sage: "Hörst Du den Unterschied, die Höhen sind viel durchsichtiger" oder sonst eine "suggestive" Frage stelle...

      Also wir bleiben auf jeden Fall dran!
      Liebe Grüsse Peter
      "Menschen sind wie Schallplatten: nur gut aufgelegt kommen sie über die Runden." Ursula Herking
      Hallo!

      Derainer schrieb:

      So ist unser Ohr vormittags noch deutlich weniger gestresst, als abends, nach einem langen arbeitsreichen Tag.
      Die tägliche Geräuschkulisse, der wir ausgesetzt sind, lässt unser Ohr über den Tag ermüden. Wir sind auch weniger konzentriert.

      Nach üppigen Mahlzeiten hören wir deutlich schlechter als mit leerem Magen. Da das Blut sich im Verdauungsbereich sammelt
      und unser Gehör hat eine messbare, leichte Mangeldurchblutung.


      Rainers Aussagen beweisen am besten die Verbindung zwischen Physischen und Psychischen. Dass man mit Salz in seinen Speisen oder Getränken nicht geizen sollte, ist wegen der "elektischen Ströme" in den Nevenbahnen zur Genüge nachgewiesen. Na dann:


      "Auf ein Glas Salzwasser :prost vor der Hörsitzung ".

      Gruß Erhard

      Ein Mensch, das hat man gar nicht selten,
      der selbst nichts gilt, lässt auch nichts gelten.

      (frei nach Eugen Roth)

      Rainer, ein sehr gut geschriebener und (wahrer!) "Artikel". Natürlich kommen noch zusätzliche psychische Einwirkungen/Faktoren vor, die ja teilweise schon genannt wurden.

      Ich bin ja auch eher Bonvivant, so lange ich es mir leisten kann ;) Hungrig hören geht nur manchmal, sehr gerne wird aber auch mit einem Weinchen oder Bierchen gelauscht :)

      LG

      Martin
      "Neue Ohren für neue Musik. Neue Augen für das Fernste. Ein neues Gewissen für bisher stumm gebliebene Wahrheiten." - Nietzsche
      Hallo!
      Ich habe bei mir festgestellt, daß meine Wahrnehmungsfähigkeit schon nach einem Glas Wein oder einem Bierchen deutlich nachlässt. Es kommt wahrscheinlich auch auf den Körper und die "Übung" an. :D Am liebsten höre ich Musik am Abend bei gedämpften Licht. Dann ist die Qualität des Stromnetzes bei uns im Ruhrgebiet i.d.Regel auch hörbar besser.
      Gruß
      Rolf

      P.S.
      Ein Mensch, das hat man gar nicht selten,
      der selbst nichts gilt, lässt auch nichts gelten.
      Wenn wir hier bei Facebook wären würde ich den :thumbsup: "Gefällt mir" Button drücken!

      Konrad zieht uns den "Salami durch die Nase"

      Das ist also nicht fair.... wenn wir so weit weg von Greusen sind und keinerlei Zugang zu der dortigen Salami haben uns so den Speck durch die Nase zu ziehen :P ... da kriegt man ja glatt Hunger!
      Und mit den 4'33'' bräuchte ich noch etwas "Aufkärung" da bin ich - als provinzieller Schweizer - nicht mitgekommen...
      Hungrige Grüsse
      Peter
      "Menschen sind wie Schallplatten: nur gut aufgelegt kommen sie über die Runden." Ursula Herking